SOLARIS

SOLARIS


 

 

 

 

"SOLARIS"

Text: Wolfgang Bruns und Ulli Haussmann nach dem Roman von Stanislaw Lem

Alle

Rechte bei :ecco-Verlag, Lübeck.

Jede Form der Verwertung nur mit Genehmigung des Verlags

 

 

 

Personen:

Kris Kelvin, Psychologe

Snaut, Forscher

Harey, Frau von Kelvin

 

 

Ort:

Raumstation auf dem Planet Solaris

 

 

Szene 4: Snaut 2

(Kelvin kommt in die

Küche. Snaut ißt aus der Büchse.)

SNAUT: Fehlt Dir etwas?

KELVIN: Was sollte mir fehlen?

SNAUT: Du schwitzt.

KELVIN: Es ist heiß.

SNAUT: Bist Du sicher, daß es nur die Hitze ist?

KELVIN: Ich habe mit Sartorius gesprochen-er ist nicht allein. Snaut, wer

ist hier-außer uns-noch auf der Station? Wozu die Geheimnisse?

SNAUT: Das wirst du einsehen, wenn du selbst Gäste hast.

KELVIN: Ich habe sie gesehen!

SNAUT: Wen hast Du gesehen?

KELVIN: Diese Frau ist real. Stimmts? (faßt an Snauts verwundeten,

bandagierten Arm) Man kann sie berühren. Snaut, wer war das?

SNAUT: Was willst Du?

KELVIN: Das Du mir sagst, was hier vorgeht! Ich halte Dich nicht für

verrückt...

SNAUT: Verrückt, großer Gott. Mann, Du scheinst nichts, aber auch gar nichts ... das wäre doch die Erlösung! Wenn Gibarian auch nur einen Augenblick lang geglaubt hätte, dies sei Wahnsinn, dann

würde er noch leben ...

KELVIN: Dann ist also alles, was du im Protokoll über Nervenzerrüttung

geschrieben hast gelogen?

SNAUT: Natürlich!

KELVIN: Weshalb schreibst Du nicht die Wahrheit?

SNAUT: Die Wahrheit ...

KELVIN: Sie sieht Dir ähnlich! Wer ist das?

(Hinter dem Kühlschrank kommt der Arm von Snauts 'Gast' hervor und

packt ihn. Snaut befreit sich.)

SNAUT: (in Panik) Kelvin, das ist nicht ..., ich kann wirklich nicht ...

KELVIN: Snaut, wir sind doch wohl weit genug von zuhause entfernt. Spielen

wir mit offenen Karten.

SNAUT: Geh! Bitte geh jetzt ...

KELVIN: Snaut!

SNAUT: Das ist zu persönlich! (Kelvin ab)

 

 

 

Szene 5: Traumbild

 

(Kelvin liegt in seinem Bett und träumt. Man hört und sieht den gewaltigen Ozean, Kinderlachen und -schritte, Stimmen, Geräusche etc. Harey spielt mit einem Seil...)

 

 

Szene 6: Harey

 

(Kelvin schläft.Harey

liegt hinter ihm im Bett, beobachtet ihn und spielt mit seiner Hand.)

KELVIN: (spricht im Schlaf) Ach, Harey, ich will nicht...laß mich doch in Ruhe. (dreht sich ab.) Ich möchte mal eine Nacht in Ruhe schlafen

können... was willst Du?

HAREY: Was Du willst. (Kelvin öffnet die Augen)

HAREY: Du träumst ja noch

KELVIN: Wie kommst du hierher?

HAREY: Keine Ahnung. Ich bin einfach gekommen. Ist das so wichtig Kris?

KELVIN: Woher kommst Du?

HAREY: Ich weiß es nicht. Das ist komisch, nicht wahr? Du hast geschlafen, aber ich habe Dich nicht geweckt. Ich wollte Dich nicht wecken, weil Du

so ein Wüterich bist. Ein Wüterich und Knurrhahn.

(Kelvin findet die Strangulationsmerkmale an ihrem Hals. Sie wendet sich

ab.)

HAREY: Ist das alles was Du kannst?

KELVIN: Harey, das kann doch nicht sein ...

HAREY: Kris ...

KELVIN: Ja?

HAREY: Ich fühle mich so wohl.

KELVIN: Wo sind deine Sachen?

HAREY: Meine Sachen?

KELVIN: Na, hast du nur dieses Kleid?

HAREY: Ich weiß nicht... vielleicht im Schrank...?

KELVIN: Wo sind wir Harey?

HAREY: Bei uns.

KELVIN: Und wo ist das?

HAREY: (fängt an zu zittern) Kris, mir ist als sei etwas geschehen ... Als hätte ich etwas vergessen ... als hätte ich vieles vergessen.

Ich erinnere mich nur an Dich und... War ich krank?

KELVIN: Nun ... so könnte man das nennen ... ja, eine Zeitlang warst

Du nicht ganz gesund.

HAREY: Sag mal, wie steht es mit uns? Gut oder schlecht?

KELVIN: Ausgezeichnet.

HAREY: Wenn Du so redest, dann sieht es eher schlecht aus.

KELVIN: Aber woher denn.Ich muß jetzt fort.

HAREY: Ich gehe mit Dir!

KELVIN: Du kannst nicht mit mir gehen, ich muß arbeiten.

HAREY: Ich gehe mit Dir!

KELVIN: Das ist unmöglich. Du mußt hierbleiben.

HAREY: NEIN.

KELVIN: Weshalb nicht?

HAREY: Ich weiß nicht. Ich glaube, ich muß Dich immer sehen.

(Kelvin löst eine Tablette in einem Glas Wasser auf.)

HAREY: Bist Du mir böse?

KELVIN: Nein. Du darfst Dich nicht so aufregen. Trink das aus. Das wird Dich beruhigen. (Sie tut, als ob sie einschläft. Kelvin will gehen.

Plötzlich lacht sie)

KELVIN: Weshalb lachst Du?

HAREY: Ich weiß es selber nicht. Ich benehme mich ganz schön

albern was? ... Wie Du micht ansiehst!

KELVIN: Ich muß jetzt gehen. Wenn du unbedingt mitwillst, dann komm...

HAREY: Gut.

KELVIN: Zieh das Kleid aus und die Kombination an, wir fliegen,Harey.

HAREY: Wir fliegen?! (ängstlich) Aber Du doch auch ... ?

(Sie zieht das Kleid aus und die Kombination an.)

KELVIN: Du bist barfuß!?

HAREY: Ich muß wohl die Schuhe irgendwo stehenlassen haben...

KELVIN: Komm , wir gehen. (aus dem off) Steig ein.

HAREY: Und Du?

KELVIN: Ich steige nach Dir ein. Ich muß hinter uns die Luke schließen.

(Geräusche, Klappe zu, Rakete ab)

HAREY: (schreit) Kris, Kris....

 

 

Szene 7: Snaut und Kelvin

 

(Ort: Küche)

SNAUT: Nun wie steht's? Wollen wir ein Schwätzchen halten? Wir hatten wohl Gäste was? Und haben wir uns ihrer entledigt? Schau, schau, Du

hast es ja gleich im Sturm angepackt!

KELVIN: Wenn Du den Hans-Wurst spielen willst, dann geh lieber.

SNAUT: Manchmal ist man ein Hans-Wurst wider Willen.

Du wirst mir doch nicht einreden, daß Du keinen Strick benutzt hast, keinen Hammer. Na, dann bist Du ja ein ganz toller Bursche. Du hast nicht einmal versucht Dir den Kopf einzurennen, hast nicht einmal das Zimmer demoliert, sondern Deinen seltsamen Gast gleich so Holter die Polter gepackt, hochgeschossen und fertig! ...So an die zwei, drei Stunden müßten wir dann wohl

haben.... Hier, nimm die Salbe,die hat mir auch geholfen....

Du hältst mich also für ein Schwein?

KELVIN: Für ein ausgemachtes Schwein!

SNAUT: So? Und hättest Du mir geglaubt, wenn ich es Dir erzählt

hätte? Du hättest mich für verrückt gehalten.

Gibarian war der erste, dem das passierte. Seinen Gast hat er vor uns verheimlicht.Er schloss sich in seiner Kabine ein und sprach mit uns nur durch die Tür. Na, da war vielleicht was los! Kannst Du dir denken wie unser Urteil lautete?

Klar, wir haben ihn für verrückt erklärt.

KELVIN: Wie lange dauerte das?

SNAUT: Das Gastspiel? Vielleicht eine Woche...bis es plötzlich still

wurde bei ihm drin.

KELVIN: Und ihr?

SNAUT: Wir? Am dritten Tag beschlossen wir, bei ihm einzudringen und haben seine Tür eingedroschen und da stand er dann... in seinem Schrank. Er wußte nicht, daß auch wir inzwischen Gäste bekommen hatten und uns nicht mehr mit ihm beschäftigen konnten. Das hat er

nicht gewußt. Tja, jetzt ist das schon eine gewisse... Routine.

KELVIN: Soll das heißen, sie kommt wieder?

SNAUT: Dein neuer Gast wird genauso sein wie der alte. Aber sei beruhigt,

er wird nicht wissen was Du angestellt hast, um ihn loszuwerden.

KELVIN: Ich verstehe das alles nicht. Woher kommen sie? Wer hat sie geschaffen?

SNAUT: Das hat mit dir zu tun, Kelvin. Das ist dein Traum.

KELVIN: Das ist kein Traum!

KELVIN: Also gut, wenn Du mir von Deinem Gast erzählen würdest,

könnte ich es Dir vielleicht erklären.

KELVIN: Meine Frau Harey war bei mir... wie an ihrem letzten Tag - ihr Kleid, alles ... (Snaut sieht ihn erwartungsvoll an) Sie ist vor zehn Jahren...

sie hat sich ...

SNAUT: Selbstmord?

KELVIN: Sie hat sich erhängt.

SNAUT: Und Du?

(K. holt den zerknitterten Abschiedsbrief hervor und gibt ihn S.)

SNAUT: (liest vor) Lieber Kris,Ich liebe Dich zu sehr.Ich kann nicht einen Augenblick ohne dich sein, ohne das Gefühl zu haben, mich aufzulösen... in ein Nichs. Es ist nicht deine Schuld, daß Du mich nicht so lieben kannst, wie ich dich,Kris. Aber Du hättest mir die Wahrheit sagen sollen .Damit hättest Du mir eine Chance gegeben, aber so ... Kris, trotzdem wird meine Liebe zu Dir weiterleben, auch wenn ich nicht mehr bin. Unterschrift:

Harey.

SNAUT: Ich verstehe.

KELVIN: Was verstehst Du? Ich habe sie geliebt. Ich habe sie mehr geliebt als mein Leben. Das ist die Wahrheit.

 

 


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