ICH ROMEO, DU JULIA

ICH ROMEO, DU JULIA



"Wenn Julia nackt auf dem Tisch liegt, fällt Romeo aus der Rolle"

Spiel im Spiel Das Stück «Ich Romeo, Du Julia» feierte eine gelungene Premiere im Theater am Brennpunkt in Baden

Cédric Schuppisser

Bekanntlich gibt es zwei Arten von Partygästen: diejenigen, die sich bei jeder Gelegenheit in Szene setzen, und solche, die ein wenig abseits stehend genüsslich zu lästern verstehen. Mit Vorliebe über die Partykönige, versteht sich.

Günther Heitmeyer (gespielt von René Ander-Huber) und Manfred Priebe (Alber Freuler) sind gar nicht erst zur Party geladen. Die Party, das ist in diesem Fall die Inszenierung des Stücks «Romeo und Julia». Priebe, der Kantinenwirt des Theaters, kennt das Stück in- und auswendig, hört er es doch immer unten in seiner Kantine über Lautsprecher. Auch Heitmeyer kann jede Zeile der Liebestragödie zitieren. Er ist als Schauspieler engagiert, aber nur in einer kleinen Nebenrolle. Nachdem er seinen Satz in der Anfangsszene gesprochen hat, begibt er sich jeweils in die Kantine zu Priebe. Dort lästern sie über die Interpreten von Romeo und Julia, überzeugt, es tausendmal besser zu können. Wenn man sie nur machen liesse!

«Spielen Sie die ´Nackte Kanone?´»

An seinem 60. Geburtstag bittet Priebe Heitmeyer, mit ihm in der Kantine das Stück zu spielen. Dieser lacht ihn zuerst aus, besinnt sich dann aber und bestimmt: «Ich Romeo, Sie Julia!» Klar, dass es in der Folge zu einer Vielzahl gewollt und ungewollt komischer Szenen kommt. Etwa, wenn Heitmeyer über die Darstellerin der Julia herzieht, weil diese die Schlafzimmerszene ganz prüde in einem Nachthemd spielt. Als er dann aber den Kantinenwirt nackt auf zwei nebeneinander geschobenen Tischchen sieht, platzt es aus ihm heraus: «Spielen Sie die ´Nackte Kanone?´». Priebe, zuerst beleidigt, erkennt die komische Situation und fällt in Heitmeyers Gelächter mit ein.

Es bleibt nicht beim Klamauk

Das Stück unter der Ägide von Regisseur Dodó Deér lebt vom «Spiel im Spiel»: Je intensiver sich die beiden mit den Figuren Shakespeares identifizieren, desto skurriler wirken die Szenen. Doch bleibt es nicht beim Klamauk. Heitmeyers und Priebe werden sich immer wieder bewusst, was sie da eigentlich treiben. Das wiederum hält sie nicht davon ab, sich richtiggehend in die Rollen von Romeo und Julia hineinzusteigern. Diese Doppelbödigkeit ist es denn auch, die das Stück deutlich über eine Burleske hinaushebt und den Figuren trotz der Komik ihre Würde belässt. Die beiden verhinderten Schauspieler werden nicht der Lächerlichkeit preisgegeben. Ihre Leidenschaft für Shakespeares Stück kommt authentisch rüber. Und man gönnte es ihnen richtiggehend, wenn sie ihre Darbietung einmal oberhalb der Kantine aufführen dürften!
Die Premierengäste spendeten den Mitwirkenden zu Recht großen Applaus. Ein spezieller Dank vonseiten der Schauspieler ging zudem an die Produktionsleiterin Charlotte Madörin. Ihr ist es zu verdanken, dass sich neben dem Theater am Brennpunkt auch das Theater Tuchlaube in Aarau und das Vaudeville Theater Zürich für das Projekt eingesetzt haben.


"Ich Romeo, Du Julia"
2H / 1 Dek.
Text: Shakespeare, Bruns, Haussmann und Kunz
Uraufführung: Theater Combinale, Lübeck 16.03.2001

Schweizer Erstaufführung: Theater am Brennpunkt in Baden, 03.03.2004

Bruns und Haussman in der Lübecker Uraufführung